Buchtipp: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

In den letz­ten Jah­ren bin ich nicht sehr oft zum Lesen gekom­men. Das lag zu einem sehr gro­ßen Teil dar­an, dass ich viel eher mit mei­nem Han­dy, als mit einem guten Buch beschäf­tigt war. Vor eini­gen Wochen stö­ber­te ich ein wenig in einer Biblio­thek in Düs­sel­dorf her­um und da ent­deck­te ich es: Mein Buch! 🙂 “Komm, ich erzähl dir eine Geschich­te” von Jor­ge Bucay han­delt von einem jun­gen Mann, der einen The­ra­peu­ten auf­sucht, doch die­ser The­ra­peut ist kein gewöhn­li­cher The­ra­peut. Anstatt zu ver­su­chen mit dem “Pati­en­ten” Ver­hal­tens­mus­ter zu ändern oder nach den Pro­ble­men in sei­ner Ver­gan­gen­heit zu suchen, erzählt er ihm Geschich­ten. Die­se Geschich­ten stam­men zum Teil aus dem ZEN aber auch aus ande­ren Geschich­ten. Für mich waren sie jeden­falls wie­der sehr lehr­sam. Eine mei­ner Lieb­lings­ge­schich­ten aus die­sem Buch möch­te ich heu­te hier zitie­ren:

Der vergrabene Schatz

In Kra­kau leb­te ein­mal ein from­mer, allein­ste­hen­der alter Mann namens Izy. Ein paar Näch­te hin­ter­ein­an­der träum­te Izy, er rei­se nach Prag und gelang­te dort an eine Brü­cke über einen Fluß. Er träum­te, an einem Ufer des Flus­ses unter der Brü­cke ste­he ein üppi­ger Baum. Er träum­te, dass er gleich neben dem Baum zu gra­ben anfing und auf einen Schatz stieß, der ihm Wohl­stand und Sorg­lo­sig­keit bis an sein Lebens­en­de sicher­te. Anfangs maß Izy die­sem Traum kei­ne Bedeu­tung bei. Aber nach­dem sich die­ser wochen­lang wie­der­holt hat­te, deu­te­te er ihn als Bot­schaft und beschloß jene Nach­richt, die ihm womög­lich von Gott oder von sonst­wem geschickt wor­den war, nicht wei­ter unbe­ach­tet zu las­sen. Er folg­te also sei­ner Ein­ge­bung, belud sein Maul­tier mit Gepäck für eine lan­ge Rei­se und mach­te sich auf den Weg nach Prag. Sechs Tage spä­ter traf der Alte in Prag ein und begab sich gleich auf die Suche nach der Brü­cke über den Fluß am Ran­de der Stadt. Es gab nicht vie­le Flüs­se und auch nicht vie­le Brü­cken, so dass er den gesuch­ten Ort schnell fand. Alles war genau wie in sei­nem Traum: der Fluss, die Brü­cke, das Fluss­ufer, der Baum, unter dem er gra­ben muss­te. Nur eins war in sei­nem Traum nicht vor­ge­kom­men: Die Brü­cke wur­de Tag und Nacht von einem Sol­da­ten der der kai­ser­li­chen Gar­de bewacht. Izy wag­te es nicht, zu gra­ben, solan­ge der Sol­dat da oben Wache schob, also schlug er in der Nähe der Brü­cke sein Lager auf und war­te­te erst ein­mal ab. In der zwei­ten Nacht begann der Sol­dat Ver­dacht zu schöp­fen, und der frag­te den Alten, der am Fluss­ufer kam­pier­te, nach sei­nem Vor­ha­ben. Der hat­te kei­nen Grund, ihm eine Lüge auf­zu­ti­schen, und so erzähl­te er dem Wach­mann, er habe die­se wei­te Rei­se unter­nom­men, weil er geträumt habe, dass hier in Prag unter einer gewis­sen Brü­cke ein Schatz ver­gra­ben lie­ge. Der Wach­mann brach in schal­len­des Geläch­ter aus. Eine so lan­ge Rei­se wegen nichts und wie­der nichts sag­te er. Ich träu­me seit drei Jah­ren jede Nacht, dass in Kra­kau unter der Küche eines ver­rück­ten Alten namens Izy ein Schatz ver­gra­ben liegt. Ha, ha, ha, ha, ha. Denkst du, ich soll­te nach Kra­kau rei­sen, um die­sen Izy auf­zu­su­chen und unter sei­ner Küche zu gra­ben anfan­gen? Ha, ha, ha. Izy bedank­te sich freund­lich beim Gar­dis­ten und trat die Heim­rei­se an. Zu Hau­se ange­kom­men, grub er unter sei­ner Küche ein Loch und fand den Schatz, der schon ewig dort ver­bor­gen lag.” (Jor­ge Bucay, Komm, ich erzähl dir eine Geschich­te)


Komm, ich erzähl dir eine Geschich­te (Fischer Taschen­bi­blio­thek)

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1 Kommentar

Antworten

Ein tol­ler Buch­tipp! Das klingt wirk­lich schön und der Aus­zug sagt mir schon sehr zu. Ich glau­be, danach wer­de ich mal schau­en.

Ich muss sagen, ich habe frü­her auch viel mehr gele­sen (wäh­rend des Lite­ra­tur­stu­di­ums so an die 2 Bücher pro Woche!), aber bei mir ist es eben­so, wie bei dir — die Zeit am Han­dy raubt einem eini­ges an Zeit, um sich mal wie­der inten­siv mit einem Buch zu beschäf­ti­gen. Wir lesen uns jetzt aber gegen­sei­tig vor dem Ein­schla­fen oder ent­spannt am Nach­mit­tag manch­mal etwas vor und das fin­de ich auch wun­der­schön und eine gute Art und Wei­se, wie­der mehr zu den Büchern zu fin­den.

Ich lese momen­tan übri­gens “Memoi­ren, gefun­den in der Bade­wan­ne”, eine Dys­to­pie von Sta­nis­lav Lem aus den 60er Jah­ren.

Liebs­te Grü­ße,
Ricar­da von CATS & DOGS: http://www.wie-hund-und-katze.com

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